27.05.2025

Stellungnahme des Dachverbands Freie Darstellende Künste Braunschweig zur Spielstättenfrage

Das Gebäude der Bühne in der Kaffeetwete, wo sich von 1996 bis 2024 das LOT-Theater befand.
Das Gebäude der Bühne in der Kaffeetwete, wo sich von 1996 bis 2024 das LOT-Theater befand. - Foto: C. Weiß (+KI)

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Im Namen der freien darstellenden Künstler*innen in Braunschweig, unterstützt durch den Landesverband Freie Darstellende Künste Niedersachsen, nehmen wir als Vorstand des Dachverbands Freie Darstellende Künste Braunschweig (DFDK) Stellung zu einem Schreiben der Firma Borek Immobilien GmbH & Co. KG und der Richard Borek Stiftung vom 20. Mai 2025, das nicht nur an uns, sondern parallel auch an Vertreter*innen der Ratsfraktionen und der Stadtverwaltung versendet wurde. Nach unserer Kenntnis wurde das Schreiben zudem auch Vertreter*innen der Presse vorgelegt.
In dem Schreiben wird dem DFDK die Nutzung des Hauses 1 im Quartier St. Leonhard angeboten. Es beinhaltet eine sofortige, mietzinsfreie Nutzung der Räumlichkeiten bis Ende des Jahres, einen langfristigen Mietvertrag zu einem voraussichtlich günstigeren Preis als in der Kaffeetwete sowie die Aussicht auf bauliche Anpassungen in Abstimmung mit den Nutzer*innen. Zudem wird auf mögliche Projektförderungen durch die Richard Borek Stiftung verwiesen.

1. Klärung der bisherigen Kommunikation
Bereits im November 2024 haben Vertreter*innen des DFDK in einem persönlichen Gespräch mit einem Repräsentanten von Borek Immobilien die Entscheidung der freien Szene, die Kaffeetwete als zukünftigen zentralen Spielort zu nutzen, deutlich kommuniziert und mit fachlichen Argumenten begründet. Diese Position wurde seither mehrfach öffentlich und innerhalb der Szene bestätigt. Die freie Szene wurde in die ursprünglichen Planungen des Quartiers St. Leonhard nicht eingebunden; ihre Bedarfe wurden im Vorfeld nicht abgefragt.

2. Zur öffentlichen Wirkung des Angebots
Dass das Schreiben parallel an politische Fraktionen und Vertreter*innen der Presse gesendet wurde, erzeugt in der öffentlichen Wahrnehmung eine Erwartungshaltung, die den Entscheidungsprozess der freien Szene erheblich unter Druck setzt. Eine fundierte und begründete Entscheidung für den geeigneteren Standort kann dadurch vorschnell als Ablehnung eines großzügigen Angebots erscheinen – was unserer tatsächlichen Position und Verantwortung gegenüber der freien Szene nicht gerecht wird. Wir halten es für äußerst problematisch, wenn die Entscheidung über einen kulturell zentralen Standort auf diesem Wege direkt beeinflusst werden soll.

3. Die Richard Borek Stiftung als Fördermittelgeberin
Die in Aussicht gestellte Projektförderung durch die Richard Borek Stiftung ist aus unserer Sicht dann problematisch, wenn sie an die Nutzung einer bestimmten Immobilie geknüpft ist. Wir würden es sehr begrüßen, wenn eine Stiftung auf Grundlage der künstlerischen Qualität und gesellschaftlichen Relevanz fördert – nicht anhand eines bestimmten Veranstaltungsorts. Zweckgebundene Förderungen, die an Immobilieninteressen gekoppelt sind, stehen dem Grundprinzip freier Kunstförderung entgegen.

4. Fachliche Einschätzung der Spielstätten
Die Kaffeetwete ist seit 1996 als Theaterraum etabliert, bekannt und bestens ausgestattet. Sie verfügt über:
- 11,7 x 13,9 m Bühnenfläche (162,6 m²), geeignet für große Tanz- und Theaterproduktionen
- einen professionellen Schwingboden und flexible Ausstattung mit Tanzteppich und Molton-Blackbox
- eine Deckenhöhe von ca. 5–6 m mit durchgängigem Traversensystem
- ein Bühnen-Off mit seitlichem Umlauf und Auftrittsmöglichkeiten
- eine Zuschauertribüne mit 10 m Breite, starker Steigung (40 cm Stufenhöhe) und insgesamt bis zu 200 Plätzen
- eine zentrale Innenstadtlage, hohe Bekanntheit und ein gewachsenes Stammpublikum
Das Quartier St. Leonhard hingegen bietet:
- eine Bühnenfläche von 8 x 8 m (64 m²), davon effektiv ca. 6,5 x 6,5 m frei bespielbar
- Einschränkungen durch rückwärtige Wand und seitliche Säulen
- ein niedrigeres Traversensystem mit teilweise nur 3 m Höhe, begrenzte Lichttechnik
- eine Tribüne mit nur 20 cm Stufenhöhe und maximal 80 Plätzen, eingeschränkte Sichtachsen
- eine Lage am Rand der Innenstadt ohne gewachsene Nutzung in der professionellen Szene
Wir möchten betonen: Das Haus im Quartier St. Leonhard ist als Studiobühne oder Probenbühne durchaus attraktiv und kann als ergänzender Ort für kleinere Formate oder Vorhaben der Szene eine sinnvolle Rolle spielen. Als Hauptspielort für professionelle Produktionen mit komplexen technischen Anforderungen und größeren Ensembles ist es jedoch ungeeignet.

5. Zusammenarbeit mit der SBK
Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz hat mit dem Kauf und der geplanten Sanierung der Kaffeetwete eine konkrete, tragfähige Lösung in enger Zusammenarbeit mit der Szene entwickelt. Diese Kooperation zeichnet sich durch Transparenz, Expertiseeinbindung und Verlässlichkeit aus. Die Freie Szene – weit über die Mitgliedschaft im DFDK hinaus – steht geschlossen hinter diesem Weg. Viele professionelle Künstler*innen der Stadt unterstützen die Entscheidung, den Standort Kaffeetwete zu sichern und auszubauen.

Fazit
Die freie Szene Braunschweigs hat sich nach intensiver Diskussion eindeutig für die Kaffeetwete als zukünftige Spielstätte entschieden. Das Angebot von Borek Immobilien wird zur Kenntnis genommen, ändert aber nichts an der fachlichen Einschätzung: Es handelt sich nicht um eine für den professionellen Theaterbetrieb geeignete Alternative.
Wir bitten Politik und Verwaltung, diesen differenzierten Blick ernst zu nehmen und die Weiterentwicklung in der Kaffeetwete mit aller Kraft zu unterstützen.

Der Vorstand
Christian Weiß, Fabian Cohn, Katharina Binder, Tania Klinger
Dachverband Freie Darstellende Künste Braunschweig e.V.
Petersilienstraße 1 · 38100 Braunschweig
Tel: 0531-1287 7005 ·  vorstand@dfdk-bs.de · www.dfdk-bs.de

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